So, wie es nicht den einzig wahren Karriereblog geben kann, gibt es nicht den einzig wahren, ultimativen Karrierecoach. Der Grund dafür liegt darin, dass jeder Mensch individuelle Bedürfnisse, Fragen und Ängste hat sowie jeder Karrierebereater individuelle Methoden hat.

Aus diesem Grund stellen wir euch in regelmäßigen Abständen Coaches, Supervisoren, Karriere- und Laufbahnberater vor.

Dieses Mal freuen wir uns, dass sich Dr. Martina Nohl die Zeit für ein kleines Interview mit uns nimmt! Sie ist nicht nur Lehrerin im Bereich Mediengestaltung, sondern ebenfalls Laufbahnberaterin, Coach und Supervisorin.

KG: Frau Dr. Nohl, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Inteview mit uns nehmen! Sie geben an, selbst 20 Jahre auf der Suche nach dem perfekten Job gewesen zu sein. Wie kam es dann für Sie zu der Mischung aus Lehrerin im Bereich Mediengestaltung und „Lehrerin“ für das Finden des eigenen Berufswegs?

Mann vor einer Wand voller unterschiedlicher Wege

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Dr. Nohl: Der perfekte Job ist meiner Ansicht nach immer im Fluss. Das was ich mit meinen Klienten erarbeite, die Balance der verschiedenen beruflichen und außerberuflichen Aktivitäten für ihre aktuelle Lebenssituation bestmöglich zu gestalten, lebe ich ebenfalls. Ich bin sehr vielseitig und arbeite gerne mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen. Das heißt, dass ich mir tatsächlich alle paar Monate einen Tag Auszeit nehme, um die Mischung und Fokussierung der verschiedenen Arbeitsschwerpunkte wieder neu zu justieren. Das geht bei mir mit ganz viel Sahnetorte im Café besonders gut …

KG: Sie geben auf Ihrer Homepage an , dass Ihre Arbeit besonders durch die humanistische Psychologie geprägt ist und nennen dafür ebenfalls Beispiele. Können Sie das, vielleicht anhand eines Beispieles, genauer erklären? Was zeichnet diese Prägung genau aus?

Dr. Nohl: In der humanistischen Psychologie gehen wir davon aus, dass jeder Mensch selbst für sein Leben und damit auch für die Lösungen seiner Herausforderungen verantwortlich ist. Im Coaching heißt das beispielsweise, dass ich mich absolut mit Ratschlägen aller Art zurückzuhalte und nur den Rahmen und das methodische Setting bereitstelle, so dass Klienten Ihre ureigenen authentischen Lösungen erarbeiten können. Das erfordert eine gute Portion Geduld und Demut und natürlich ein Gespür für die richtige Intervention zur passenden Zeit. Bei mir fühlt sich das gelegentlich an wie die Arbeit einer Hebamme.

KG: In Ihrem Methoden-Repertoire geben Sie an, mit Visualisierung, Körperbewegungen, Wahrnehmungsübungen und Rollenspielen zu arbeiten. Wie kann man sich das genau vorstellen? Ist das ein Teil des „Spiegel vorhaltens“ oder gehen Sie damit berufliche Situationen durch?

Dr. Nohl: Viele Klienten kommen mit Fragestellungen, die sie in ihrer Komplexität überfordern (sonst bräuchten sie ja kein Coaching ;-)). Viele Aspekte dieser Fragestellungen sind oft vorbewusst und noch nicht in Sprache fassbar. Hier hilft die Arbeit mit Metaphern und somatischen Markern (Rückmeldungen von Körperempfindungen), um an intuitives Wissen heranzukommen und dieses beispielsweise zur Entscheidungs- oder Zielfindung einsetzen zu können. Eine konkrete Vorgehensweise wäre hier z.B. die Arbeit mit Bodenankern, die bestimmte Optionen oder auch Befürchtungen darstellen. Die Klientin/der Klient stellt sich körperlich darauf, und kann über das Hineinstellen in eine Situation oder einen Begriff positive oder negative körperliche Wahrnehmungen, Bewegungs- oder Handlungsimpulse oder Bilder, manchmal sogar Klänge abrufen. Diese bieten hilfreiche Ansätze zur kognitiven Weiterarbeit im Coachinggespräch.

KG: Neben den Einzelcoachings, bieten Sie ebenfalls Seminare und Teamsupervisionen an. Abgesehen von der Teilnehmerzahl, wie unterscheiden sich diese Varianten in ihrem Aufbau? Lernen die Teilnehmer in den größeren Gruppen eher voneinander?

Die unterschiedlichen Prozesse in den Gruppencoachings: Seminar und Teamsupervisionen

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Dr. Nohl: Dr. Nohl: Seminare haben eine klare Lernstruktur. Die Vermittlung von Inhalten wechselt mit Übungsphasen ab. Bei meinen Seminaren erleben die Coachs oder Trainer immer erst einmal am eigenen Leib die Methoden, die sie später mit ihren Klienten anwenden. Erst in einem zweiten Schritt erfolgt die Reflexion auf Metaebene und aus der Professional-Rolle heraus. Den meisten Menschen macht gemeinsames Lernen deutlich mehr Spaß als die Vermittlung in Einzeltraining.

In Teamsupervisionen folge ich den Vorgaben und Schwerpunkten des Teams. Wir vereinbaren konkret die Themen, an denen in der Sitzung gearbeitet wird. Hier geht es schwerpunktmäßig darum, dass ein Team wieder arbeitsfähig wird. So werden Konflikte oder Herausforderungen nicht (oder seltener) auf der intrapsychischen Ebene angeschaut, sondern in ihren sozialen Auswirkungen. Das ist ein großer Unterschied zum Einzelcoaching, in dem der Klient/die Klienten mit seinen/ihren psychischen Prozessen und Umfeldreaktionen im Vordergrund steht.

KG: Ein Coaching zur reinen Prävention wird vermutlich weniger effektiv sein, als die Hilfe eines Experten sobald sie tatsächlich benötigt wird. Glauben Sie, dass es einen bestimmten Punkt gibt, an dem die Beratung besonders effektiv ist? Und wenn es diesen gibt, woran erkennt ihn die betreffende Person?

Dr. Nohl: Es gibt auch Klienten, die kommen „profilaktisch“ in das Laufbahncoaching und wollen ganz vorsichtig einmal schauen, was beruflich noch möglich wäre. Das finde ich sehr vorausschauend. Allerdings sind die Prozesse etwas weniger intensiv, weil es keinen Leidensdruck gibt und meiner Erfahrung nach Menschen oft erst in Bewegung kommen, wenn es wirklich brennt… Aber warten Sie auch nicht zu lange, denn in richtig krisenhaften Situationen wird das Coaching nicht leichter.

KG: Zum Abschluss noch eine kleine Frage: Haben Sie einen Tipp für diejenigen, die sich derzeit auf der Suche nach der eigenen Laufbahn befinden?

Die drei Tipps der Expertin für die eigene Laufbahn

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Dr. Nohl: Ich würde erstens versuchen, mir über den Stellenwert, den der Beruf in meinem Leben hat, klarzuwerden. Wenn ich mich beispielsweise darüber schwerpunktmäßig selbstverwirkliche, hat der Suchprozess eine ganz andere Bedeutung, als wenn es mir einfach wichtig ist, eine nicht zu öde Tätigkeit mit netten Kollegen auszuüben.

Zweitens empfehle ich die Frage „Was ist mir wirklich wichtig im Leben und wozu möchte ich mit meinem Leben noch einen Beitrag leisten?“ einmal näher anzuschauen. Wenn es Ihnen wichtig ist, andere Menschen glücklicher zu machen, dann können Sie das sicher auch als freundliche Kassiererin an der Supermarktkasse, sie können es aber vermutlich ein Stück besser als Wellness-Masseurin, Kosmetikerin, Ärztin oder Coach.

Zum Selbstcoaching kann ich darüber hinaus mein Arbeitsheft „Standortbestimmung. Berufliche Orientierung in eigener Regie“ empfehlen…