Arbeiten im Ausland 3: Das Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräch im Ausland: Verkehr
verfasst von Ben

Andere Länder = andere Sitten? Das Interview mit der Expat-Expertin Anne-Katrin Schulz!

In unseren vorherigen Beiträgen aus der Serie Arbeiten im Ausland konntest du bereits alles darüber erfahren, welche Möglichkeiten du für die Arbeit im Ausland hast, wie du dein Traumland findest und was du bei deinem Résumé sowie deinem CV beachten musst. Teil 3 zeigt dir jetzt, auf welche Feinheiten du bei einem Vorstellungsgespräch im Ausland zu achten hast!

In unserer Reihe zum Thema Vorstellungsgespräch hast du bereits die Möglichkeit, alles über dessen Eigenschaften nachzulesen. Du kannst dir allerdings sicher sein, dass viele Länder ganz andere kulturelle Bräuche und Gepflogenheiten haben, bei denen du mit deinen Gewohnheiten leicht ins Fettnäpfchen trittst. Damit dir das nicht passiert, solltest du unbedingt lesen, was Anne-Katrin Schulz, die Geschäftsführerin von ExpatNews, an Tipps und Ratschläge für dich hat!

KG: Zunächst einmal vielen Dank Frau Schulz, dass Sie sich die Zeit für ein Interview mit uns nehmen! Ihr Magazin ExpatNews informiert umfassend zu dem Thema Auswandern sowie Leben und Arbeiten im Ausland. Ein neuer OECD Bericht legt dar, dass Deutschland zu einem der Auswanderungsländer gehört (durchschnittlich 140.000 Auswanderer/Jahr). Manche Statistiken geben sogar an, dass allein 2013 797.886 Deutsche ausgewandert sein sollen. Glauben Sie, die Zahl der Auswanderer bleibt auf diesem Niveau bestehen, oder wird es eine Veränderung (nach oben oder unten) geben?

AKS: Ich bin überzeugt davon, dass es in Zukunft noch mehr werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es Jahr für Jahr immer mehr Deutsche ins Ausland zieht. Allerdings hat sich auch der Begriff Auswandern gewandelt. Früher bedeutete er, alle Zelte in der Heimat abzubrechen und woanders ganz von vorne anzufangen. Mittlerweile bezeichnen sich auch Personen als Auswanderer, die nur temporär ins Ausland gehen, um dort zu arbeiten. Viele Menschen zieht es zudem alle paar Jahr in ein neues Land – ich nenne diese Gruppe gerne „Berufsnomaden“. Für manch einen wird es zu einem dringenden Bedürfnis, alle paar Jahre ein neues Land und ein neues Arbeitsumfeld kennenzulernen. Dies betrifft meiner Beobachtung nach insbesondere die so genannte Generation Y, die es bereits gewohnt ist, während des Studiums ein Auslandssemester und Praktika im Ausland zu absolvieren. Für diese jungen Leute ist die Hürde, sich einen Job im Ausland zu suchen, weitaus niedriger als für die älteren Generationen.

KG: Viele der Auswanderer machen sich nicht im Ausland selbstständig, sondern suchen eine Anstellung. Neben der kleinen Herausforderung, die Bewerbungsunterlagen entsprechend vorzubereiten, wartet im Anschluss das Vorstellungsgespräch auf den Bewerber. In welchen Ländern gibt es, im Vergleich zu dem uns bekannten Bewerbergespräch, die größten Unterschiede und worin liegen diese Unterschiede?

AKS: Dies lässt sich pauschal schwer beantworten. Bemerkenswert fand ich aber, was mir eine Deutsche mal vom Bewerbungsverfahren in Hongkong erzählte: Sie kam als Kandidatin nach ihrem Bewerbungsanschreiben in die engere Auswahl und musste zunächst mit dem Recruiter ein Telefoninterview führen. So weit, so normal. Allerdings ging dieser nicht auf eine einzige ihrer Basisfragen – also Gehalt, Stichtag für Arbeitsbeginn, Vertragsart, Urlaubsanspruch, Zulagen und so weiter ein. Diese wichtigen Einzelheiten werden dort nämlich fast immer ausschließlich in einem persönlichen Gespräch geklärt. Und eine Einladung zum Interview erhält man überdies für gewöhnlich erst dann, wenn man die Einstellungstests besteht, die in Hongkong gang und gäbe sind.

Kritischer Geschäftsmann am Schreibtisch

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Das Vorstellungsgespräch bei den einheimischen Unternehmen Hongkong verlief nach Aussage der Deutschen für europäische Verhältnisse ziemlich zäh. Es hat sie an einen regelrechten Kampf erinnert, in dem alle Parteien um jedes Zugeständnis ringen. Dabei wurden sogar ihre Fähigkeiten und Qualifikationen abgewertet, um ihren Gehaltswunsch zu drücken. Zudem ist es in chinesischen Unternehmen üblich, dass im Bewerbungsgespräch nach dem Familienstand und nach der Beziehung zu den eigenen Eltern gefragt wird. Eine klare Trennung zwischen Privatem und Beruflichem, wie wir sie kennen, ist eher unüblich.

Wer sich in südlichen Ländern beispielsweise Spanien oder Italien oder Südamerika bewirbt und dort zu einem Vorstellungsgespräch bei einem heimischen Unternehmen eingeladen wird, sollte bedenken, dass diese Nationen sehr beziehungsorientiert und weniger sachorientiert als die Deutschen sind. Das bedeutet, dass man sich im Bewerbungsgespräch viele persönliche Fragen, beispielsweise nach der Familie und der Herkunft, gefallen lassen muss. Das hat nichts mit Ausspionieren zu tun, sondern dient der Einschätzung der Persönlichkeit. Arbeitgebern und Teams in diesen Ländern ist die Persönlichkeit, die Art wie man „tickt“, fast wichtiger als die Qualifikation. Mittels Fragen zum privaten Hintergrund, versuchen die Interviewpartner herauszufinden, wie der Bewerber einzuordnen ist.

Befremdlich kann es außerdem anmuten, wenn die Gesprächspartner den Jobkandidaten während des Gespräches anfassen, zum Beispiel an der Schulter oder an den Armen. Auch eine Begrüßung mit Küsschen links und rechts ist nicht ungewöhnlich.

KG: Wenn nun ein solches Bewerbungsgespräch in einem anderen Land ansteht, gibt es verschiedene Arten, sich entsprechend darauf vorzubereiten. Zum Beispiel die Recherche im Internet. Im Internet stehen recht häufig widersprüchliche Informationen, sodass ein Bewerber leicht überfordert sein kann. Welche Alternativen haben Aspiranten noch, um sich optimal vorzubereiten?

AKS: Am hilfreichsten ist immer noch der Austausch mit erfahrenen Personen, also Expats, die bereits im Wunscharbeitsland gelebt und gejobbt haben beziehungsweise noch dort arbeiten. Soziale Netzwerke helfen dort sicherlich weiter. Wir finden beispielsweise immer wieder Erfahrungsberichte beziehungsweise Gesprächspartner für Interviews auf Twitter, in länderspezifischen Gruppen auf XING oder Facebook. Ebenfalls empfehlenswert ist die Organisation InterNations. Dieses Netzwerk ist weltweit präsent und in den einzelnen Metropolen treffen sich die Expats regelmäßig, um Erfahrungsaustausch zu betreiben. Es gibt auch Treffen in Deutschland, etwa Hamburg, bei denen man ehemalige Expats kennenlernen kann, die sicherlich wertvolle Tipps in petto haben.

Richtiges Verhalten im Meeting - höflich für eine gute Zusammenarbeit

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KG: Trotz aller Vorbereitungen kann bei dem Gespräch selbst immer mal etwas schiefgehen. Was sind die absoluten No-Gos, die ein Bewerber begehen kann?

AKS: Das kommt wiederum auf die Gepflogenheiten im jeweiligen Land an. Hier kann ich nur ein paar Beispiele nennen, die ganz grob exemplarisch für eine Nation stehen. In China wird viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt. Männer sollten Anzüge in gedeckten Farben tragen und Frauen sollten auf High Heels und Kleidung verzichten, die zu viel Haut zeigt. Im Gespräch sollte man niemals mit der Hand auf jemanden zeigen und generell keine ausholenden Gesten mit den Armen machen – das gilt nicht nur als unhöflich, sondern geradezu als aggressiv. Ein weiteres wichtiges Tabu ist es, sich Notizen auf einer Visitenkarte zu machen.

In Großbritannien wird extrem hohen Wert auf Pünktlichkeit gelegt. Wer zu spät zum Vorstellungsgespräch kommt, kann eigentlich gleich wieder nach Hause gehen. Außerdem sollte man einen ruhigen Tonfall an den Tag legen. Ein zu lautes Organ gilt als ungehobelt.

In Argentinien sollte man unbedingt seinen Gesprächspartner mit entsprechendem Titel anreden. Dazu gehört nicht nur der Doktor, sondern auch der Ingenieur, Architekt oder Anwalt. Man würde dann beispielsweise sagen: „Guten Tag, Senor Abogado Gonzales“. Ähnlich verhält es sich interessanterweise auch in Österreich. Dort spricht man eine Personalerin beispielsweise mit „Frau Magister Gruber“ an. Wer solche Titel einfach fallen lässt, katapultiert sich schnell ins Aus.

Solche Do’s und Don’t’s Listen lassen sich beliebig fortführen. Die Außenhandelskammern und Germany, Trade & Invest beispielsweise geben regelmäßig länderspezifische Business-Knigges heraus, mit deren Hilfe sich Bewerber über bestimmte Sitten im Geschäftsleben informieren können. Nichtsdestotrotz sollte man sich vor Augen halten, dass diese Tipps lediglich ein Kompass sind. Schlussendlich können die möglichen Fettnäpfchen variieren. Oft hängt dies auch von der Weltoffenheit oder den interkulturellen Kompetenzen des Gegenübers ab.

KG: Abschließend noch eine Frage: Es ist bekannt, dass sich ein Personalverantwortlicher in einem Bewerbungsgespräch nicht jede Frage erlauben kann – zumindest in Deutschland. Welche absoluten Tabus gibt es in anderen Ländern und was muss sich ein Bewerber wirklich gefallen lassen?

Das schlimme Jobinterview

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AKS: Innerhalb der Europäischen Union ist die Rechtslage bereits weitgehend einheitlich. Somit sind unter anderem Fragen zur Religion, politischen Einstellung oder sexuellen Orientierung überall tabu. Außerhalb der EU sollten sich Bewerber über die jeweilige Rechtslage im Zielland informieren, um zu wissen, auf welche Fragen sie nicht eingehen brauchen. Ansonsten hängt dies natürlich auch vom persönlichen Empfinden ab, was als Grenzüberschreitung empfunden wird und was nicht. Dort sollte man sich grundsätzlich vor Augen halten, dass Bewerbungsgespräche keine Einbahnstraße sind. Jobinteressenten haben in den Jobinterviews ja auch die Gelegenheit zu überprüfen, ob die Unternehmensphilosophie und das Gebaren der Vorgesetzten zu den eigenen Vorstellungen eines Arbeitgebers passen.

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