Berufswunsch Politiker – nur etwas für Quereinsteiger!

Politiker
verfasst von Ben

„Wie werde ich Politiker?? Muss man da ‘ne Bewerbung hinschicken oder wie geht das?“ Nachdem diese Frage in den Untiefen des Web 2.0 ausgegraben wurde, kann an dieser Stelle keine Untätigkeit folgen. Ihr wollt Politiker werden?! Hier lest ihr alles Wichtige dazu!

Rednerpult vor einem blauen Vorhang

© grandeduc – Fotolia.com

„Diese Politiker! Machen nichts, können nichts, außer Diäten, aber‘ne große Karriere mit jeder Menge Gehalt, das haben’se!“

So, oder zumindest so ähnlich, hört man die liebe Bevölkerung gerne einmal über unsere politischen Abgeordneten schimpfen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum so wenige junge Menschen, laut einer Umfrage der Uni Jena, ihren Wunsch Politiker zu werden so offenherzig kundtun. Dank sozialer Netzwerke, wie beispielsweise Facebook, wird die Schimpftirade auf unsere Frauen und Herren Abgeordneten schließlich nicht mehr auf den Volksmund beschränkt, sondern im Internet ausgeweitet.

Trotzdem bereit für die sogenannte Ochsentour?

Die Ochsentour ist ein recht gebräuchlicher Begriff, welcher an dieser Stelle den Weg des Kandidaten zum Berufspolitiker beschreibt. Dieser fängt ganz weit unten an! Zunächst gilt es, sich bereits in seiner Jugend politisch zu engagieren. Das heißt im Klartext: Such dir eine Partei, von deren Zielen du überzeugt bist und tritt ihr bei!




Für Jugendliche gibt es bei den meisten Parteien spezielle Handlungsräume. Für diejenigen, die nicht wissen, was gemeint ist: Im Fall der SPD sind das die Jusos, im Fall der CDU ist das die Junge Union und, und, und. Möglichkeiten gibt es viele, die Entscheidung für eine Partei jedoch sollte dir keiner abnehmen.

Zurück zur Ochsentour: Du bist der Partei beigetreten, engagierst dich fleißig und hangelst dich somit von Position zu Position, später von Amt zu Amt und die Karriereleiter somit immer wieder ein Stückchen höher – bis du eventuell in Berlin landest. Zumindest ist das der eigentlich übliche Weg in Deutschland. Manche Quereinsteiger schaffen es allerdings auch, Positionen auf dem Weg zu überspringen, oder direkt in höheren Ämtern einzusteigen – das ist aber nicht unbedingt die Regel, sondern die Ausnahme.

Momentchen mal… was heißt denn eventuell in Berlin landen?!

Die Karriere eines Politikers, oder genereller, eine politische Karriere, ist NIE sicher. Es gibt unendlich viele kleinere und größere Faktoren, von denen der Aufstieg in der Politik abhängig ist: Die geknüpften Kontakte, die innerparteilichen Strukturen, das eigene Talent, gewählte Themenschwerpunkte, Größe der Partei vor Ort, hat man genug Charisma, um die Massen von sich zu überzeugen? Sicher sind der Beruf und die Karriere des Volksvertreters definitiv nicht.

Aus diesem Grund: Berufspolitik ist nur etwas für Seiteneinsteiger!

Das heißt im Klartext: Engagiert euch ruhig innerhalb einer Partei. Damit legt ihr einen elementaren Grundstein, durch den ihr Kontakte knüpfen könnt und euer Verständnis sowie Wissen hinsichtlich der Politik festigt. Parallel dazu erlernt ihr einen Beruf, der euch ebenfalls Spaß macht – sei es nun über eine betriebliche Ausbildung oder durch ein Studium. Auf diesem Beruf sollte zunächst der Fokus liegen, während ihr die politische Arbeit nebenher weiterlaufen lasst. Anbei sei bemerkt: In eurer beruflichen Ausbildung könnt ihr euch zusätzlich politisch engagieren!

Politik und Beruf – ist das nicht ein bisschen viel verlangt?

Das mag schon sein, aber selbst Landtagsabgeordnete üben ihren erlernten Beruf nebenher noch aus, da sie eines ganz sicher wissen: Die Karriere in der Politik ist wie die Karriere im Sport. Nur die Besten kommen schließlich weiter und es reicht ein kleiner Unfall, um die ganze Karriere zu beenden. Ein zweites Standbein ist somit gar nicht verkehrt.

Wie das sein kann?

Politik ist kein Berufsfeld mit einer eigenen Ausbildung. Learning by doing ist insofern das Thema. Durch die hohe Barrierefreiheit für den Berufseinstieg ergibt sich zudem eine große Menge an Konkurrenz, gegenüber welcher man sich durchsetzen muss. Wer das nicht kann, wird auch keine großen Aufstiegschancen haben.

Wie learning by doing?! Ist das alles?!

Es ist so ziemlich alles, es sei denn, man hebt sich von der Masse ab. Wer besonders positiv auffällt und besonderes Talent beweist, der wird in den Talentschmieden der jeweiligen Partei gefördert. Das heißt: Das Erlernen von Führungsfähigkeiten und der Grundprinzipien einer Partei, das Kameratraining, der Austausch mit erfahrenen Politikern und gleichzeitig die Möglichkeit das eigene Netzwerk auszuweiten.




Was brauche ich denn alles für politischen Erfolg?

Wichtig sind vor allen Dingen Fähigkeiten wie beispielsweise Rhetorik, gute Argumentationskünste und vor allem Analytik. Schließlich gilt es Schwachstellen aufzudecken, mit ihnen zu argumentieren und durch Rhetorik seine Kontrahenten schachmatt zu setzen. Aber es gibt noch unzählige weitere Fähigkeiten, die äußerst nützlich sind:

Einfühlungsvermögen, Instinkt, Entscheidungskompetenz, Timing, Selbstvertrauen, Verlässlichkeit, Fairness, Geduld, Geselligkeit, Kontaktfreude, kulturelles Feingefühl, Anstand, Erfüllung einer Vorbildfunktion… uvm.

Wer jetzt denkt „So ein Mist…so viele Voraussetzungen…das schaffe ich doch nie!!
Kopf hoch – wenn es nur ein Berufswunsch aufgrund des guten Gehalts eines Abgeordneten ist, kann folgendes gesagt sein: Führungspersönlichkeiten in hohen Managerpositionen verdienen zu einem großen Teil mehr als unsere liebe Frau Bundeskanzlerin.