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Der Risikofaktor Doktortitel

Eine Reihe aus Buchstaben gelegt mit Würfeln, die das Wort Dissertation bildet - Doktortitel
verfasst von Bernadette

Ich mache jetzt meinen Doktortitel – oder besser nicht?!

Dissertation - kein Würfelspiel

©Denis Junker – Fotolia.com

Nach dem abgeschlossenem Studium stellt sich eine große Frage: Gehe ich jetzt direkt in den Beruf? Oder mache ich doch erst meinen Doktor? Bevor man diese knifflige Frage zu beantworten versucht, sollte man sich zunächst mit diesem Thema und den Möglichkeiten vertraut machen.

In Deutschland ist die Anzahl der Promotionen in den vergangenen zwanzig Jahren durchgehend gestiegen. Während im Jahr 1993 noch etwas mehr als 21.000 Doktortitel verliehen wurden, fiel die Anzahl der erlangten Promotionen im Jahr 2010 mit 25.629 schon deutlich höher aus. Dabei ist vor allem der Anteil der promovierenden Frauen stetig gewachsen.

Die Aussicht künftig mit Frau oder Herr Doktor angesprochen zu werden verleitet einige dazu, sich der Herausforderung einer Promotion zu stellen. Andere Aspekte, wie der Wunsch der Eltern, dass das Kind das Beste aus sich macht und die verlockende Perspektive mit dem Doktortitel entsprechend mehr Geld zu verdienen, fördern das Bestreben die akademische Karriereleiter weiter emporzuklettern. Eine andere Entscheidungsgrundlage für diesen Schritt in der Karriereplanung ist die augenscheinliche Flucht vor dem Start im Berufsleben.

Aber Vorsicht! Der Weg zu einer Dissertation will gut überlegt sein!

Vorweg ist einzuräumen, dass es für viele Berufszweige wünschenswert und vor allem fördernd ist, sich um einen entsprechenden Titel zu bemühen. Absolventen in den Bereichen Medizin, Jura, Mathematik, Ingenieurswissenschaften und Naturwissenschaften profitieren ungemein in ihrer weiteren beruflichen Laufbahn von einem Doktortitel. Gerade in diesen Bereichen suchen Firmen promovierte Mitarbeiter, um sie vor allem zu einem eigenen Aushängeschild mit passender Bezahlung zu machen.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings Studiengänge, für welche eine Promotion zwar möglich, aber nicht zwangsweise notwendig ist. So zum Beispiel ist es bei geisteswissenschaftlichen oder sozialwissenschaftlichen Berufen. Aus rein finanziellen Gründen in diesen Bereichen die durchschnittlich drei bis fünf Jahre für das Erlangen dieses akademischen Grades zu investieren, ist nicht ratsam. Ebenso beklagen sich viele Angehörige der Geistes- und Sozialwissenschaften darüber, dass ausgerechnet die Doktorwürde ihnen der berufliche Einstieg nach dem Studium einen beruflichen Einstieg erschwert hat. Sie gelten häufig als überqualifiziert für die jeweiligen Stellen, sodass bereits ein großer Teil von ihnen diesen Bereich ihres Lebens in den Bewerbungsunterlagen verschweigt.

Ist folglich ein Doktortitel für bestimmte Studiengänge eine Schande?

Die Erlangung des Doktorgrades in einem bestimmten Bereich ist weder eine Schande, noch eine Herabsetzung der individuellen Fertigkeiten. Es gilt aber zu bedenken, dass in den kritisch benannten Bereichen der Schritt zur Promotionsschrift insofern gut überlegt sein will, ob im Nachhinein nicht der Schritt zur Habitilation folgt. Hier gilt es zu bedenken, dass die freien Stellen für Professuren lediglich begrenzt sind.

Das Risiko ist es mir wert – ich mache meinen Doktor!

Welche Möglichkeiten gibt es da für mich?

Viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch zum Doktortitel. Einer der Wege ist der Doktor nach dem Bachelorstudium. Das mag zunächst vollkommen falsch erscheinen – schließlich braucht man doch mindestens einen Master! Aber nein: Mittlerweile bieten rund die Hälfte der Universitäten den sogenannten Fast Track an, die Promotion nach dem Bachelor.

Fast Track = schnell und einfach?

Einfach ist für die Entscheidung zur schnelleren Variante das falsche Wort. Die augenscheinlich erste Bedingung ist ein Bachelorabschluss mit einer Durchschnittsnote von mindestens 1,3. Diese Qualifikation allein ist nicht aussagekräftig genug. Die Zulassung für den Fast Track ist überdies eine individuelle Entscheidung, die dem jeweiligen Doktorvater und vor allem auch dem Lehrstuhl obliegt. Sie steht in Abhängigkeit zu der Reife, dem Interesse und der intrinsichen Motivation der jeweiligen Person.

Wie funktioniert dann die Promotion nach dem Bachelor?

Es gibt zwei Möglichkeiten für den Verlauf der Disseration direkt nach dem Bachelor. Zum Einen gibt es die Variante zunächst ein einjähriges Vorbereitungsstudium zu absolvieren und anschließend die durchschnittlichen drei Jahre Forschungsstudium anzuhängen. Zum Anderen kann die Promotion parallel zum Master verlaufen. In diesem Fall bewirbt man sich nach dem zweiten Semester im Master an dem Lehrstuhl der Universität auf eine Dissertationsstelle.

Ich hab aber schon meinen Master. Was mach ich jetzt?

Für den Fall, dass die akademische Ausbildung mit dem Master oder Diplom abgeschlossen wurde, sind folgende Voraussetzungen für eine Promotion zu erfüllen:

  1. Zunächst ist es ausschlaggebend, dass man den Abschluss eines Unistudienganges mit 8 Semestern Regelstudienzeit hat. Für Absolventen von Fachhochschulen gelten in diesem Fall gesonderte Regelungen, welche in den Hochschulgesetzen der jeweiligen Bundesländer festgehalten sind.
  2. Sobald man keine Extraprüfungen abgelegt hat, gilt es in der Fachrichtung des „eigenen Studienfachs“ zu promovieren.
  3. Die Abschlussnote sollte mindestens „gut“ sein.
  4. In Fächern wie Beispielsweise Theologie ist es unabdingbar das Latinum zu haben

Sobald diese Kriterien erfüllt sind, bewirbt man sich bei den Universitäten an dem entsprechendem Lehrstuhl. Dazu sollte man neben den eigentlichen Bewerbungsunterlagen auch ein Motivationsschreiben und vor allem seine eigenen Ideen und Vorstellungen für die Arbeit und die Vorgehensweise ausformulieren und mitsenden.

Gibt es denn da nicht noch eine andere Variante?

Neben der Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl parallel zu der Schreibarbeit an der Dissertation, kann man sich bei den sogenannten Graduiertenkollegs, beziehungsweise Graduiertenschulen, bewerben. Diese Schulen, beziehungsweise Kollegs, werden vor allem von der DFG (der Deutschen Forschungsgemeinschaft) gefördert. Der Doktortitel wird dort in einem Zusammenschluss von mehreren Doktoranden erwoben. Während jeder dort an seinem eigenen Thema arbeitet, finden vor allem Kolloquien für den gegenseitigen Austausch von Ideen und Kritik statt. Ein weiterer Vorteil der Graduiertenkollegs/-schulen ist die zeitlich befristetet Förderung der Doktoranden. Dadurch muss die Doktorarbeit bis zu einem gewissen Zeitraum fertiggestellt werden, da ansonsten die weitere Förderung entfällt und das Programm für die jeweilige Person endet.

Ist eine Promotion auch neben dem Beruf möglich?

Letztlich besteht noch die Möglichkeit, den Titel Doktor neben dem Beruf zu erwerben. Der Doktortitel neben dem Beruf kann über bestimmte Promotionsstudiengänge an vielen Universitäten erworben werden. Dabei sollte die Möglichkeit der Promotion an Fern Universitäten nicht außer Acht gelassen werden.

Die Entscheidung für oder gegen einen Doktortitel ist letzten Endes eine vollkommen individuelle Entscheidung. Bei dem ganzen „Für und Wider“ gilt es für einen selbst herauszufinden, ob bei der eigenen Berufswahl die Doktorwürde eher fördert, oder in dem weiteren beruflichen Bestreben hindert.

Über den Autor

Bernadette

Seit über zwei Jahren ergänzt Bernadette das Team der webschmiede GmbH im Bereich Online-Marketing. Dabei informiert sie sich über alle Neuigkeiten rund um das Thema Karriere und Bewerbung. Mittlerweile übernimmt sie nicht nur die redaktionelle Leitung unserer Blogs sowie die Kooperationsleitung. Sie kümmert sich ebenfalls um unsere Marketing-Neuzugänge und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

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