Die Initiative CREATIVE.NRW

CREATIVE.NRW
verfasst von Ben

Geld mit den eigenen Ideen verdienen hört sich verlockend an und wird für so manchen zur Realität. Jedoch unterschätzen viele Menschen den Wert ihrer Ideen und verkaufen diese unter Wert an Firmen, die dann großen Profit damit machen können. Eine der Aufgaben des Clusters für Kultur- und Kreativwirtschaft, CREATIVE.NRW, ist es, dort ein Gleichgewicht herzustellen. Carolin Paulus, Beraterin im siebenköpfigen Team von CREATIVE.NRW, gibt uns einen Einblick in die Arbeit des Clusters.

CREATIVE.NRW

 

 

1. Was genau macht CREATIVE.NRW und wie kann man sich die Arbeit der Mitarbeiter vorstellen?

CREATIVE.NRW ist eine Initiative des Wirtschaftsministeriums NRW, die im Jahr 2009 gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, die einzelnen kreativen Teilbranchen unter- und miteinander zu vernetzen und für Umfeld- und Standortbedingungen zu sorgen, unter denen Kreative erfolgreich sein können. Daran arbeitet ein Kernteam von insgesamt sieben Mitarbeitern. Wir beraten nicht nur das Wirtschaftsministerium, wir sind auch Ansprechpartner für die Kreativen und versuchen, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Wir sind, wenn Sie so mögen,  Schnittstellenakteur und Lobby für die Kreativen.

2. Sie wollen die Stärke und das Wachstumspotenzial der Kultur- und Kreativwirtschaft in NRW stärken und sichtbar machen. Wie genau machen Sie das?

Ein starker Wirtschaftsstandort lebt von starken Ideen. Kreative sind längst nicht mehr nur „nice to have“ oder simple Oberflächenverschönerer. Wir verstehen die kreative Branche nicht als eine hermetisch abgeriegelte. Die Unterscheidung: Auf der einen Seite die „verrückten Kreativen“ und auf der anderen die klassische Anzugsträger-Wirtschaft sollte nicht mehr gelten. Kreativwirtschaft ist vielmehr eine fluide Branche, die schon längst in industrielle Branchen hinein fließt und wirkt.

3 . Und wie sieht das konkret aus?

Traditionelle Mittelständler, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen erkennen langsam, dass sie ihre Marktposition stärken, ihre Innovationskraft steigern und ihre Unternehmenskultur attraktiver machen können, wenn sie gezielt den Austausch mit der Kreativwirtschaft suchen, sich beraten und inspirieren lassen. Die Handlungsfelder reichen von Markenaufbau und Marketing über Arbeits- und Projektorganisation bis zu Innovationsmanagement und strategischer Ausrichtung. CREATIVE.NRW arbeitet daran, diesen Marktzugang auf beiden Seiten voranzutreiben, indem wir auf der einen Seite für Kreative Umfeld-Bedingungen schaffen, die sie am Standort NRW halten und auf der anderen Seite Sensibilisierungsformate für Industrie und Mittelstand schaffen, die auf die große wirtschaftliche Bedeutung kreativwirtschaftlichen Denkens für ihr Unternehmen aufmerksam machen.

4. Was macht die Kultur- und Kreativwirtschaft besonders, was hebt sie von anderen Branchen ab?

Die Kreativwirtschaft mit ihren 11 Teilbranchen kennzeichnet eine extreme Heterogenität. Zu den Branchen zählen die Musik-, Design-, Rundfunk- und Werbewirtschaft sowie der Architektur-, Kunst-, Presse- und Buchmarkt, die Software- und Gamesindustrie und der Markt für darstellende Künste. Jede Branche ist für sich einzigartig. Sowohl zusammengenommen als auch einzeln betrachtet ist sie extrem kleinteilig, in keiner anderen Branche arbeiten so viele Soloselbstständige, keine andere Branche ist dermaßen flexibel. Vor allem eint sie alle eines: Kreative wollen von sich aus, intrinsisch motiviert, die Welt gestalten, zum Besseren verändern – diesen Gestaltungswillen und diese Gestaltungskraft sollten Wirtschaft und Gesellschaft für sich nutzen

5. Wie wird sich die Kreativwirtschaft in NRW in Zukunft entwickeln? Wie werden sich die Arbeitsverhältnisse entwickeln?

Die Frage nach den Arbeitsverhältnissen ist sehr interessant, weil sie eng mit der generellen Entwicklung der sogenannten Kreativwirtschaft verknüpft ist. Arbeitsmarktexperten prognostizieren für 2024 eine Arbeitswelt, die von den heutigen Grundschülern mehr unternehmerische Selbstverantwortung, erhöhte Kreativität und Flexibilität erwartet. Dies sind die Schlüsselqualifikationen in Gegenwart und Zukunft. Schon heute sehen wir eine zunehmende „Projektifizierung“ der Arbeitsorganisation, eine Auflockerung der Grenzen zwischen festen und freien Arbeitsverhältnissen, aber auch mehr Demokratie und Teilhabe im Arbeitsleben.

Die junge, sogenannte „Generation Y“ der nach 1980 Geborenen geht heute schon mit einem ganz anderen Selbstverständnis in ein Bewerbungsgespräch als die Generation der heute 30- bis 40-Jährigen. Diese Leute wissen um ihr Können und wollen sich immer weniger in ein 9-to-5-Korsett zwingen lassen, wollen freier arbeiten, das Private soll nicht zurückstecken müssen. Die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben werden fließender.

6. Wenn sich Absolventen für die Kreativbranche interessieren, was können Sie ihnen als Tipp mit auf den Weg geben?

Dass sie sich über den monetären Wert ihrer Ideen und Kreativität bewusst sind, offen sind für unternehmerisches Denken und sich nicht unter Wert verkaufen.