Konstruktive Kritik oder Mobbing? #kritikprofis

Mann beißt in Keks und bekleckert Krawatte
verfasst von Ben

“Criticism, like rain, should be gentle enough to nourish a man’s growth without destroying his roots.”

So simpel, wie Frank A. Clark vermuten lässt, ist es oftmals nicht: Schnell landest du in der Schublade mit der Aufschrift „kritikunfähig“, wenn du auf vermeintliche Kritik frustriert reagierst. Doch wie lässt sich harmlose Kritik von Mobbing unterscheiden?

Anlässlich der Blogparade von Dr. Kerstin Hoffmann zum Thema #kritikprofis haben wir uns der Beantwortung dieser Frage gewidmet.

©Ryan McGuire - gratisography.com

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Sie gehört zum Berufsalltag in fast allen Branchen und Unternehmen: die Kritik. Ob vom Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden, niemand bekommt gern negatives Feedback. Oft wird geraten, Kritik einfach zu akzeptieren und sie für sich persönlich sowie die eigene Karriere zu nutzen. Doch diesen Rat tatsächlich umzusetzen, ist leichter gesagt als getan. Außerdem ist diese Vorgehensweise, sowohl im Job als auch im Privatleben, längst nicht allgemeingültig. Wo konstruktive Kritik aufhört und wann Mobbing beginnt, erfährst du in diesem Beitrag.

Konstruktive Kritik ist zwar in aller Munde, doch längst nicht jeder beherrscht sie. Sowohl für den Kritisierten, als auch für den Kritiker, gibt es einige Regeln zu beachten.

Die vier wichtigsten Regeln zur Kritik einmal kurz zusammengefasst:

  1. Der richtige Zeitpunkt: Es macht nur wenig Sinn, impulsartig, direkt nach dem kritischen Vorfall unüberlegte und emotional aufgeladene Kritik zu äußern. Außerdem sollten beide Gesprächspartner genug Zeit mitbringen, um sich der Kritik voll widmen zu können.
  2. Eine angemessene Situation: Um nicht öffentlich bloßgestellt zu werden, sollte das Gespräch ungestört und nicht in Gegenwart Dritter stattfinden.
  3. So knapp wie möglich, so ausführlich wie nötig: Damit das Gespräch nicht unnötig in die Länge gezogen wird und für den Kritisierten auch wirklich hilfreich ist, sollte die Kritik konkret sein sowie anhand von Beispielen illustriert werden.
  4. Gemeinsam nach einer Lösung suchen: Beide Parteien sollten idealerweise gemeinsam eine Lösung für das Problem entwickeln sowie bereit sein, Kompromisse einzugehen.
Tipp: Weitere Beiträge zum richtigen Umgang mit Kritik und zum Feedback geben findest du bei uns.

Hält dein Gesprächspartner eine oder sogar mehrere dieser Regeln nicht ein, kann das ein Zeichen für Mobbing sein. Es ist dann besonders wichtig, diese Anzeichen als solche wahrzunehmen und bewusst darauf zu achten, ob eine gewisse Systematik sowie Regelmäßigkeit dahinter steckt. Öffentliche Bloßstellung sowie unbegründete, persönliche Kritik unter Mitarbeitern sowie zwischen Mitarbeiter und mindestens einem Vorgesetzten sind in jedem Fall unangemessen. All diese Verhaltensmuster können auf Mobbing hinweisen.

Mobbing hat viele Gesichter

Mobbing am Arbeitsplatz beginnt nicht zwingend mit unangebrachter Kritik. Verhaltensweisen wie beispielsweise Isolation, Lästereien, herablassende Bemerkungen sowie das Erteilen anspruchsloser oder gar unlösbarer Aufgaben können weitere Anzeichen sein.

Falls du diese Verhaltensweisen in deinem Arbeitsumfeld wiederholt entdeckst, kann dies verschiedene Auslöser haben. Häufig spielt Neid oder steigender Leistungsdruck unter Kollegen eine wichtige Rolle, wenn es um Mobbing geht.

Diese Möglichkeiten haben Betroffene:

Wenn du selbst Fälle von Mobbing am Arbeitsplatz beobachtest oder sogar Opfer von Mobbing bist, bieten sich dir verschiedene Handelsoptionen. Vor dem Hintergrund, dass Mobbing eine strafbare Handlung darstellt, solltest du derartige Angelegenheiten in jedem Fall ernst nehmen und deine Möglichkeiten kennen. Generell ergeben sich drei Optionen:

  1. Bewusst passiv bleiben. Die Schikanen einfach auszuhalten und den Arbeitsalltag, so gut es geht, normal weiterführen ist zwar der Weg des geringsten Widerstands, führt aber nicht immer zum gewünschten Erfolg. Wenn du allerdings nur durch einen einzelnen Kollegen gemobbt wirst, der Rest des Teams aber nicht mitzieht, kann diese Strategie sehr hilfreich sein. Durch Gleichgültigkeit und indem du nicht auf seine Provokationen eingehst, kannst du Selbstbewusstsein sowie Souveränität signalisieren und den Übeltäter so zum Aufhören bewegen.
  2. Aktiv werden und das Problem offen ansprechen. Versuche zunächst, den Mobber allein zur Rede zu stellen. Dabei ist es besonders wichtig, sachlich und ruhig zu bleiben sowie nicht auf provozierende Aussagen seinerseits einzugehen. Zeigt der Betroffene noch immer keine Einsicht, ist es an der Zeit, sich, zum Beispiel durch den Vorgesetzten oder den Betriebsrat, helfen zu lassen.
  3. Den Rückzug antreten. Sich in Form einer internen Versetzung oder der Kündigung zurückzuziehen bildet deine letzte Handlungsoption bei andauernden Mobbingattacken. Auch wenn du, indem du so handelst, vermeintlich Schwäche zeigst: Es zeugt durchaus von Entscheidungsstärke, diesen Schritt zu gehen und den Kollegen so zu signalisieren: „Ich lasse mir nicht alles gefallen“.

Bossing

Wenn der Chef mobbt

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Was ist aber zu tun, wenn du nicht von deinen Kollegen, sondern vom Chef selbst gemobbt wirst? Auch dies ist keine Seltenheit und nennt sich „bossing“. In diesem Fall hilft es, ähnlich wie beim Mobbing durch Kollegen, zunächst das Gespräch zu suchen und den Vorgesetzten auf das Problem anzusprechen.Falls das Gespräch nicht den gewünschten Effekt zeigt, kannst du dich, falls vorhanden, an den Geschäftsführer, Betriebsrat oder externe Beratungsstellen, gegebenenfalls auch an einen Anwalt, wenden.

Denn ob Chef oder nicht: Mobbing ist strafbar. Durch seine sogenannte Fürsorgepflicht ist dein Chef bei Mobbing am Arbeitsplatz zum aktiven Eingreifen verpflichtet. Der Mobber muss mit ernsthaften Konsequenzen wie Schmerzensgeld- sowie Schadensersatzzahlungen rechnen.

 

Weitere nützliche Tipps zum richtigen Umgang mit Kritik findest du in der von „PR-Doktor“ initiierten Blogparade auf zum Thema #Kritikprofis!