Selbstständig oder angestellt?
Das ist hier die Frage!

Fernstudium im eigenen Wohnzimmer
verfasst von Ben

Die meisten Arbeitnehmer der Bundesrepublik sind Angestellte, nur ein Bruchteil aller Beschäftigten in Deutschland sind Freiberufler. Das mag zum einen an der Mentalität der Deutschen liegen, zum anderen jedoch auch an dem Risiko, das eine Tätigkeit als Freiberufler nun mal birgt.
Wir Deutschen sind sehr ordnungsbewusst und sicherheitsliebend, daher begeben wir uns beruflich nur sehr ungern auf riskantes Terrain. Weshalb wir (meist) mit Freude unseren „nine-to-five“ Jobs nachgehen und den knapp bemessenen Urlaub (weit im Voraus geplant natürlich) in der Sonne verbringen.
Ganz anders geht es in den USA zu. Dort gibt es deutlich mehr Gründer und Freiberufler als in Deutschland. Dazu trägt die altbekannte „Machermentalität“ der Amis bei – und natürlich auch die steuerlichen Anreize, die den US-Bürgern geboten werden. Doch die Entscheidung zur Selbstständigkeit wird nicht von heute auf morgen, aus dem Bauch heraus getroffen. Was auf den ersten Blick kinderleicht aussieht, ist eine große Herausforderung.
Wir sind vom Karriere-Blogger Josef Altmann zur Teilnahme an seiner Blogparade zum Thema “selbstständig oder angestellt, was ist besser“ aufgerufen worden. Gerne bin ich dem Aufruf gefolgt und zeige euch die Top 5 der Aspekte, welche ihr bei dieser Entscheidung beachten solltet.

1. Vertrauen in mich selbst

„Schaffe ich das?“ Diese Frage werden sich viele von euch als Erstes stellen, wenn ihr mit dem Gedanken spielt, euer eigener Chef zu werden.
Ergeben sich Probleme bei der Arbeit, ist kein Chef oder Arbeitskollege zur Stelle, der euch ratschlagend zur Seite steht, weil ihr die alleinige Verantwortung für alle Arbeitsprojekte tragt. Doch durch eine fundierte Ausbildung und Fortbildungsmöglichkeiten ist es jedem möglich, Herr über auftretende Probleme zu werden.

2. Finanzen

Die freiberufliche Tätigkeit birgt einige finanzielle Risiken. Arbeitnehmer zahlen lediglich einen Teil der steuerlichen Abgaben. Bei der freiberuflichen Tätigkeit ist jeder in dieser Hinsicht auf sich allein gestellt. Bezahlte Urlaubs- oder Krankheitstage entfallen. Daher ist es wichtig, vor Beginn der freiberuflichen Tätigkeit finanziell vorzusorgen. Wenn sich die Auftragslage am Arbeitsmarkt ändert oder eine unerwartete Krankheit auftritt, ist es wichtig, über Rücklagen zu verfügen, um nicht in die Privatinsolvenz abzurutschen.

Auf der anderen Seite gibt es wiederum steuerliche Vorteile, welche einem die Entscheidung schmackhaft machen. So kann z.B. die Miete der Büroräume in der eigenen Wohnung von der Steuer abgesetzt werden. Dasselbe gilt für Arbeitsutensilien wie Laptop, Diensthandy oder die gesamte Büroeinrichtung.

3. Disziplin

Montagmorgen, der Wecker klingelt und einem ist nach dem lustigen Partywochenende so gar nicht nach arbeiten zumute. Was tun? Der ein oder andere dreht sich noch einmal um und meldet sich beim Chef krank.
Für Freiberufler ist das undenkbar. Denn hier ist jeder selbst für den Umsatz verantwortlich und muss beim krankheitsbedingten Arbeitsausfall auf finanzielle Rücklagen zurückgreifen. Bei Angestellten im Büro übernehmen die Kollegen in solchen Fällen dringende Aufgaben. Aber als Freiberufler verdienst du nichts, wenn du nicht arbeitest – nichts für Menschen, die nur wenig Selbstdisziplin besitzen.

Zwar ergibt sich aus dieser Arbeitsform die Möglichkeit, seine Arbeitszeiten selbst einzuteilen, dabei muss jedoch bedacht werden, dass je nach Auftragslage mal mehr oder weniger gearbeitet werden muss. Auf drei Arbeitstage zu je vier Stunden können gut und gerne zwei Arbeitstage mit jeweils 14-Stunden folgen, die auch nicht vor dem sonst arbeitsfreien Wochenende haltmachen. Doch mit einem guten Zeitmanagement und Disziplin lässt sich auch der größte Arbeitsberg bezwingen.

4. Persönliches Umfeld

Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, euch selbstständig zu machen, müsst ihr dabei euer privates Umfeld bedenken. Insbesondere als mehrfacher Vater oder mehrfache Mutter solltet ihr sichergehen, dass die neuen Arbeitsverhältnisse keinen finanziellen Engpass und somit ein Risiko für eure Familie darstellen. Außerdem sollten die flexiblen Arbeitszeiten gut in den familiären Alltag passen. „Kann mich jemand im Haushalt vertreten, wenn ich spontan zu einem Auftrag muss?“

Durch die Umstellung zum Freiberufler sollte in den eigenen vier Wänden nicht der chaosbedingte Notstand ausgerufen werden müssen. Des Weiteren ist es schwierig, den Urlaub weit im Voraus planen, denn die flexible Auftragslage kann euch dabei einen Strich durch die Rechnung machen.

5. Selbstständig nach dem Studium

Ihr habt ganz frisch euren Bachelor- oder Masterabschluss in der Tasche, aber habt keine Lust auf die Arbeit in einem Büro mit Festanstellung? Die Lösung: „Ich werde mein eigener Chef!“ Ganz so einfach ist das leider nicht. Denn ohne jegliche Arbeitserfahrung sieht die Auftragslage äußerst mau aus.
Bevor der Schritt in die freiberufliche Tätigkeit gewagt wird, sind einige Jahre in einer Festanstellung empfehlenswert. Nach der akademischen Ausbildung fehlt euch die Praxis, das Kapital, der Kundenstamm und das Gefühl für eure Branche. Macht erste Erfahrungen in der Arbeitswelt und plant die zukünftige Karrierelaufbahn als Freiberufler genau durch.

Mit Sicherheit wirken einige der angesprochenen Themen auf euch erst einmal abschreckend. Doch davon solltet ihr euch nicht einschüchtern lassen! Durchdenkt euer Vorhaben genau, legt Rücklagen an und leitet eure Altersvorsorge in die Wege. Wenn ihr mit Bedacht bei der Sache seid und alle Vorkehrungen trefft, könnt ihr bald euer eigener Chef sein!