Tipps für den perfekten Berufseinstieg

Berufseinstieg
verfasst von Ben

Aller Anfang ist schwer. Erst recht, wenn es sich dabei um den ersten Job oder aber die ersten Tage im neuen Job handelt. Neue Kollegen sind dabei ein bisschen wie Windows 8: Das wahre Potenzial zeigt sich erst im Dauereinsatz, die Macken allerdings auch. Deshalb ist der Berufseinstieg (und die Probezeit) meist so etwas wie ein Fettnapfslalom: Überall lauern potenzielle Fallen und peinliche Fauxpas‘.

Sicher, Anfänger genießen in den ersten Wochen noch Welpenschutz. Man kann schließlich noch nicht alles wissen. Kleinere Fehler oder vermeintlich dumme Fragen werden einem daher rasch vergeben. Aber eben nur am Anfang. Und das ist dann zugleich der erste Tipp für den Berufseinstieg: Nutzen Sie daher die ersten Wochen, um möglichst viel zu lernen und zu fragen. Ein Rennen beginnt ja auch erst nach dem Warmlaufen. Das sollte allerdings kein chronischer Zustand werden. Wer noch nach vier Wochen fragt, wie was im Büro funktioniert, wirkt zunehmend verpeilt statt kompetent.

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Klippen, die Berufseinsteiger umschiffen sollten. Diese etwa:

Erscheinen Sie stets pünktlich.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass man in den ersten Tagen nicht zu spät und verschlafen ankommt. Und doch informieren sich nur die wenigsten vorher über Anfahrtswege und Staugefahren auf dem Arbeitsweg und wirken daher prompt unorganisiert.

Bleiben Sie immer höflich.

Behandeln Sie alle Kollegen zuvorkommend und bleiben Sie bescheiden. Auch gegenüber Pförtnern, Postboten und Assistenten. Vor allem gegenüber Sekretärinnen! Sie sind oft die Türöffner zu den Chefs und wissen zudem sehr genau über den Laden Bescheid. Ihre Tipps und Empfehlungen sind daher meist Gold wert.

Stehen Sie zu Ihrer Unsicherheit.

Es ist völlig normal, am Anfang noch keinen richtigen Durchblick zu haben. Namen, Organisationsabläufe, Aufgaben – alles ist neu. Bei vielen stellt sich dann automatisch das Gefühl ein, sie hätten keine Ahnung. Stehen Sie dazu und sprechen Sie es aus – dafür wird jeder Verständnis haben. Schließlich waren die Kollegen auch mal Frischlinge. Der größte Fehler wäre jetzt, die Unsicherheit hinter Arroganz zu verbergen. Das führt ganz sicher in die soziale Isolation.

Hören und schauen Sie genau hin.

Und schweigen Sie vorerst dazu. Es mag ja sein, dass die Kollegen mit Betriebsblindheit geschlagen sind, Altakten sich sinnlos stapeln und die Lamentos jedem vernunftbegabten Menschen Haare ausfallen lassen. Doch gerade dann gilt: Mit Kritik und Verbesserungsvorschlägen sollte man mindestens vier bis sechs Wochen hinterm Berg halten und auch danach sparsam damit umgehen. Wer außerdem nicht lange diskutiert, wenn man ihm sagt, „am besten machen Sie das so und so“, kriegt eine Taktikmedaille. Wer weiß: Das von Ihnen kritisierte Ablagesystem ist vielleicht die jüngste Ausgeburt Ihres Chefs.

Vergleichen Sie nichts mit dem alten Arbeitgeber.

Aus demselben Grund ist es auch nicht klug, die neue Firma ständig mit der alten oder einem anderen Unternehmen zu vergleichen. Das mag im Kern alles richtig sein. Doch zeigen Sie damit im Subtext, dass Sie noch nicht voll im neuen Team spielen, sondern immer noch im alten verhaftet sind. Und das nervt die Kollegen irgendwann gewaltig.

Bleiben Sie aktiv.

Insbesondere in Zeiten des Leerlaufs gilt: Bloß keine Däumchen drehen! Nicht selten ist das ein Test für Ihr Engagement. Bieten Sie dann Ihre Hilfe an, wo es geht. Fragen Sie nach, lernen Sie Kollegen und Abteilungen kennen. So outen Sie sich als umsichtiger und selbstständiger Mitarbeiter im Wortsinn. Den Berufseinstieg bestehen Frischlinge eben nicht durch Profilierungssucht, sondern durch Mannschaftsspiel.

Lernen Sie aus Fehlern.

Wie gesagt: Gerade zu Beginn tritt man schon mal mit Anlauf in den Fettnapf. Passiert. Aber bitte nicht zweimal. Merken Sie sich also, wie es richtig geht und schreiben Sie die Lektionen irgendwo auf. In einem Moleskin etwa. Das hat den Vorteil, dass Sie nicht immer dieselben Fragen stellen müssen, sondern nachschlagen können. Und Sie machen auch nicht immer dieselben Fehler. Merke: Jede Narrenfreiheit endet irgendwann.

Und ein wichtiger Tipp noch zum Schluss:

Versprechen Sie nie mehr, als Sie halten können!

Weder bei der Übernahme einer Aufgabe, noch beim Initiieren eines neuen Projekts. Sie schüren damit nur unrealistische und schädliche Erwartungen – und letztlich Produktenttäuschung.

Beim ersten Mal wirkt die selbst verschuldete Enttäuschung vielleicht noch nicht so schlimm. Aber mit jedem weiteren Mal unterhöhlt sie das Vertrauen in Sie. Sie mutieren zum Blender – und das ohne jeden äußeren Zwang. Bei allem Verständnis für Selbstvermarktungs-Tamtam, Konkurrenzdruck und Geltungsbedürfnisse: Stapeln Sie gerade anfangs nicht zu hoch. Unterschätzt zu werden, hat viele Vorteile – und sei es nur, dass Sie Kollegen und Chefs überraschen können: positiv.

Über den Autor

Jochen-Mai-Presse03-572x381Jochen Mai ist Autor, Berater und zählt seit Jahren zu den bekannten Namen des Social Webs. Sein Portal Karrierebibel.de, in der er beispielsweise auch Bewerbungstipps für einen tabellarischen Lebenslauf gibt, gehört heute zu den deutschen Top-Blogs mit mehr als 40.000 Lesern am Tag. Mai ist zudem Dozent an der Fachhochschule Köln für das Fach Social Media Marketing und regelmäßiger Kolumnist bei der „Welt“ sowie gefragter Keynote-Speaker für die Themen Social Media Online-Reputation und Employer Branding.