Volontariat – nicht ausschließlich eine Option für Journalisten!

Volontariat

Es gilt als der Berufseinstieg für viele Ressorts der Medienbranche: zunächst das Volontariat und dann die große Einstellung als Redakteur – oder doch lieber als freier Journalist arbeiten? Was der Begriff Volontariat aber alles umfasst, wissen jedoch nur wenige. Hier gibt es alle Infos!

Volontariat

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Zunächst einmal: Volontariat – was ist das überhaupt?

Der Begriff des Volontärs kommt aus dem Französischen (volontaire = Freiwilliger) und leitet sich von dem lateinischen Wort volontarius (ebf. Freiwilliger) ab. Im 17. Jahrhundert wurden so in Frankreich Soldaten genannt, die sich freiwillig gemeldet und ohne Sold gedient haben. Klingt also irgendwie so gar nicht nach Arbeit in der schillernden Medienwelt. Diese Bedeutung, die sich bis heute in die Köpfe eingebrannt hat, bekam das Volontariat auch erst im 19. Jahrhundert.

Dabei sind Volontariate nicht ausschließlich auf Jobs im Journalismus und der redaktionellen Arbeit festgeschrieben. Sie werden ebenso im karitativen und kaufmännischen Bereich sowie innerhalb der öffentlichen Verwaltung, der Berufsvorbereitung und der Weiterbildung eingesetzt. Der kaufmännische Bereich macht an dieser Stelle zu Recht stutzig. Während früher Auszubildende in diesem Bereich gerne auch als Volontäre bezeichnet wurden, ist die heute weitverbreitete Bezeichnung Trainee.

Ist der Begriff des Volontärs international gebräuchlich?

Abgesehen davon, dass man den Begriff in die unterschiedlichen Sprachen zu übersetzen hat, können dennoch Fehler aufkommen. Die netten Österreicher zum Beispiel benutzen nicht das Wort Praktikum, sondern bezeichnen dieses als ein Volontariat. Wer dort auf Nummer sicher gehen will, sollte sich dann doch eher auf die Stelle als Redaktionsaspirant bewerben. Ähnlich ist es in der unparteiischen Schweiz. Dort wird nicht das Volontariat, sondern die Stage als redaktionsgebundene Ausbildung betrachtet. Folglich ist es sicherer, sich vorab über die landesgebräuchlichen Berufsbezeichnungen zu informieren, sollte man planen im Ausland einen Volontär-Dienst zu leisten.

In welchen Bereichen sind denn diese freiwilligen Dienste noch üblich?

Volontäre werden in weitaus mehr Bereichen gesucht, als man zunächst annimmt. Einer der außergewöhnlichsten Jobs, beziehungsweise eine der außergewöhnlichsten Positionen, in denen ein Volontariat angeboten wird, ist die der Führungsposition. In diversen Bundesländern gibt es sogenannte Wirtschafts- und Verwaltungsvolontariate. Wozu die gut sind? Ganz einfach: Manager, Bereichsleiter und ähnliche Führungspersonen können mit einer anderen Person aus dem Bereich für einen bestimmten Zeitraum das Unternehmen tauschen. Dadurch soll ein besserer Einblick in und ein größtmöglicher Erfahrungsaustausch von bewährten Methoden im Management und der Verwaltung gewährleistet werden. Die Dauer ist dabei nicht festgeschrieben.

Ebenso ungewöhnlich ist es in Thüringen, zumindest für diejenigen, welche Volontäre primär der Richtung redaktioneller Tätigkeit zuordnen. Die dortige Ausbildung zum wirtschaftlichen Bibliothekar wird dort in der Rechtsform eines Volontariats absolviert. Dabei ist die Stelle weitestgehend so strukturiert wie die des Bibliotheksreferendariats. Der große Unterschied: die Abschlussprüfung wird an der Humboldt–Universität in Berlin abgelegt.

Weitaus weniger überraschend ist die Ausschreibung von Volontariatsstellen im Bereich der Museen und des Ausstellungswesens, ebenso wie der Denkmalpflege. Der Einstieg in ein solches Volontariat ist erst nach dem Studium, teilweise auch erst nach der Promotion möglich. Gerade dann, wenn die Position des Kurators, vor allem in staatlichen und kommunalen Einrichtungen, geplant wird, ist ein wissenschaftliches Volontariat erwünscht. Dieses sollte dann auch zwei Jahre dauern.

Volontär seinfreiwillig einen Dienst machen… verdiene ich da überhaupt etwas?

Als Volontär ist die Position innerhalb eines Betriebes von der Position eines Praktikanten zu unterscheiden. Während in einem Praktikum die Frage nach einer Vergütung eher selten mit einem „Ja“ beantwortet werden kann, ist es bei Volontären in der Regel üblich, diese auch zu bezahlen. Dabei ist das Gehalt jedoch stark abhängig davon, in welcher Branche der Job des Volontärs angenommen wird. Banken, vor allem die größeren Banken, lassen sich mit einem Jahresgehalt von durchschnittlich bis zu 50.000€ Brutto nicht lumpen.

An diesem Punkt folgt der Harken. 50.000€ klingt als Jahresverdienst für eine Volontär wirklich gut. Diese Summe wird jedoch nicht in der Medienbranche erreicht. Dort schätzen sich Volontäre bereits glücklich, wenn sie die Marke von 20.000€ Brutto jährlich so eben knacken können. Sollte manch einer da bereits den Kopf schütteln und sich fragen, warum die Gehälter nicht in einem Tarifvertrag geregelt sind, lässt sich Folgendes sagen: für ein Volontariat im Journalismus wurde das Gehalt bereits in einem solchen Vertrag festgehalten, doch halten sich viele Zeitungen nicht daran. Das bedeutet gleichzeitig, dass alle weiteren Medienbranchen sich ebenfalls nicht an diesen Vertrag halten müssen.

Allgemein gilt: Wer ein Volontariat absolvieren will, sollte sich im Voraus genau darüber informieren, welches Feedback das jeweilige Unternehmen von anderen Volontären erhält. Schwarze Unternehmensschafe lassen Volontäre nämlich gerne zu Dumpinglöhnen arbeiten. Ebenso gilt es sich nach den Arbeitsbestimmungen zu erkundigen, da häufig Wochenenddienste und 60 Stunden-Wochen von den Freiwilligen erwartet werden, ohne das diese eine Entschädigung für die Überstunden bieten. Ebenso ist es mehr als hilfreich, sich im Voraus über die Zugangsvoraussetzungen für ein Volontariat zu informieren, da diese nicht unbedingt von Unternehmen zu Unternehmen gleich sind! Während zum Teil nur ein Hochschulabschluss vorausgesetzt wird, fordern andere Betriebe bereits Berufserfahrung durch unterschiedliche Praktika. Zudem sollten die ausgehenden Bewerbungen auf Volontariatsstellen äußerst überzeugend sein, da häufig auf ein Stellenangebot von 10 freien Plätzen an die 500 Bewerber kommen.

Zu guter Letzt: Bange machen gilt nicht! Ein Volontariat ist kein Garant für eine spätere Festanstellung. Doch gerade für Studenten ist es die bessere Alternative zum Praktikum nach dem Abschluss, da dort nicht nur konkretere Einblicke in betriebliche Abläufe gegeben werden, sondern in vielen Fällen auch eine bessere Bezahlung winkt.

Anm.: Berufsbezeichnungen wurden männlich gehalten, gelten aber ebenso für die weibliche Berufsbezeichnung.