Tschüss Feierabend?! – Rechte bezüglich der Erreichbarkeit nach Dienstschluss

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verfasst von Ben
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© Michal Kulesza – stocksnap.io

Handy, Laptop, Tablet – mit der steigenden Zahl an Geräten steigen auch die Erwartungen und durch flexible Arbeitszeitmodelle die Forderung, über den Feierabend hinaus erreichbar zu sein. Selten ist die ständige Verfügbarkeit über die Arbeitszeit hinaus vom Vorgesetzten vertraglich vereinbart, sondern eher ein ungeschriebenes Gesetz beim Arbeitnehmer.

Sind in deinem Arbeitsvertrag grundsätzlich feste Arbeitszeiten vereinbart, so kann dein Chef nicht einfach festlegen, dass du nach Büroschluss für ihn verfügbar sein musst. Sollte es aber eine feste Regelung, beispielsweise durch Bereitschaftsdienste, geben, kann der Arbeitgeber anordnen, dass du  nach Feierabend erreichbar bist. Dies muss dann als Arbeitszeit angerechnet und dementsprechend vergütet werden.

Bei der Arbeit: Feste E-Mail Abrufzeiten

Während der Arbeitszeiten dreht sich alles um die ständigen Informationsfluss: Du bist gerade in deinem Work-Flow und vergisst dabei alles um dich herum – doch dann poppt eine E-Mail Benachrichtigung auf. Ergebnis: Deine Konzentration ist weg. Das passiert dir ständig?

Nur die wenigsten Mails sind so wichtig, dass sie nicht noch für ein paar Stunden in deinem E-Mail Postfach verweilen könnten. Feste Zeiten, zu denen du während der Arbeitszeit deine Mails abrufst und beantwortest, steigern deine Produktivität und bewahren dich so vor lästigen Überstunden. Hab den Mut, dein E-Mail Programm einfach mal zu schließen.

Selbst wenn Kollegen nach Feierabend munter weiter Mails verschicken, bist du nicht dazu verpflichtet diese noch am selben Abend zu beantworten.

Zuhause: Home-Office als zusätzlicher Stressfaktor?

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© Freestocks.org-stocksnap.io

Nur weil du im Home-Office tätig bist bedeutet dies nicht, dass dein Vorgesetzter dich deshalb jederzeit erreichen können muss. Auch hier gilt: Falls es keine entsprechende Regelung für Mitarbeiter im Arbeitsvertrag gibt, solltest du feste Zeiten setzen, zu denen du für den Chef  erreichbar ist – selbst wenn die E-Mails, die eigentlich den Job betreffen, auf deinem privaten Smartphone ankommen. Dies erspart dir eine Menge Stress. Da es sich bei Arbeiten im Home-Office häufig um projektbezogene Tätigkeiten handelt, sind feste Arbeitszeiten im ohnehin eher die Ausnahme.

Eine Mail schlichtweg zu ignorieren, verursacht bei vielen Arbeitnehmern jedoch ein ungutes Schuldgefühl, was wiederum für Stress sorgt. Doch kann sich nur gestresst fühlen, wer das Handy eingeschaltet und jede Mail per Push-Funktion angezeigt bekommt. Lass das Handy in deinen persönlichen Ruhezeiten also im besten Fall ganz ausgeschaltet – frei nach dem Motto: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“

Welche Rechte und Pflichten habe ich im Krankheitsfall?

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© Alejandro Escamilla – stocksnap.io

Ob du im Krankheitsfall ans Telefon gehen musst, wenn dein/e Vorgesetzte/r anruft, ist ebenfalls von vertraglichen Reglungen abhängig. Du bist als Arbeitnehmer grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, während Krankheit oder gar im Urlaub für das Unternehmen bereitzustehen. Handelt es sich aber um einen akuten Notfall und dein Chef braucht beispielsweise eine wichtige Auskunft, die nur du ihm geben kannst, können bei deiner Erreichbarkeit Ausnahmen gemacht werden.

 

Mit unseren zusätzlichen Tipps kommst du entspannt in den Feierabend:

  1. Diensthandy ausstellen oder ganz bei der Arbeit lassen

Das erspart nicht nur ein schlechtes Gewissen im Feierabend, sondern erleichtert es, mit dem vergangenen Arbeitstag abzuschließen. Zum anderen signalisierst du so, dass Kollegen und Vorgesetzte gar nicht erst den Versuch unternehmen brauchen, dich telefonisch zu erreichen.

  1. Mal „Nein“ sagen

Dein Kollege bittet dich, seinen Bereitschaftsdienst am Abend zu übernehmen, aber du hast schon etwas anderes vor. Ob Sport, Verabredungen oder einfach ein gemütlicher Abend auf der Couch – manchmal gehen solche Dinge einfach vor. Traue dich deshalb, einfach Nein zu sagen. Selbstverständlich solltest du nicht jede Frage um einen Gefallen pauschal mit Nein beantworten. Trotzdem: „Ja“-Sager sind zwar beliebt bei den Kollegen, werden aber auch häufig ausgenutzt und bezahlen mit weniger Freizeit und vermehrtem Stress. Ein freundliches, aber bestimmtes „Nein“ hat schon so manche Karriere beflügelt.

  1.  Klare Vereinbarungen treffen

Zu guter Letzt der wohl offensichtlichste, aber leider oft vergessene Punkt: Klare Absprachen, sowohl mit dem Chef als auch mit anderen Kollegen, sind die Basis der erfolgreichen sowie stressfreien Nutzung von Diensthandy und Co. Denn nur wer klare Absprachen und Regeln hat, kann langfristig zufrieden und erfolgreich arbeiten.