Generation Y: Spaß, Ehrgeiz & Selbstbestimmung?

Generation Y: junge Menschen
verfasst von Ben

Soziologen zufolge erobert eine neue Generation den Arbeitsmarkt – die Generation Y. Selbstsicher fordern sie Selbstbestimmung und streben nach Sinn, statt nach Status. Doch stimmt das wirklich und für wen gilt das?

Wir alle lieben bekanntlich Klassifikationen und Schubladen. So ist in letzter Zeit immer häufiger die Rede von der Generation Y. Doch was ist mit der Generation Praktikum passiert, die wegen der unsicheren Lage am Arbeitsmarkt ein unbezahltes Praktikum nach dem anderen absolviert, während sie von der sicheren Festanstellung nur träumen kann?

Generation Y: wer ist das eigentlich?

Der Begriff Generation Y bezieht sich auf alle nach 1982 geborenen. Das Idol ihrer Kindheit ist Pippi Langstrumpf: frei, autonom und vor allem immun gegen jegliche Autorität. Diese Kindheitsorientierung spiegelt sich maßgeblich in ihrem Bewusstsein wider. Sie wollen sich nicht mehr bedingungslos für ihren Job aufopfern, sondern eine gesunde Work-Life-Balance. Ihnen ist Selbstverwirklichung und –entfaltung wichtig.

Generation Y: das ist ihnen beim Job wichtig!

Auch Aufstiegschancen spielen in ihrer Lebensplanung nur noch eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist ihnen, dass sie genug Zeit für ihre Familie, ihre Freunde und ihre Freizeit haben. Sie haben den Anstieg der Burnout-Erkrankungen hautnah miterlebt und wissen, dass sich das bedingungslose Aufopfern für den schnellen Aufstieg und die berufliche Anerkennung nicht lohnt.

Im Englischen wird der Buchstabens Y wie why ausgesprochen, das englische Wort für warum. Und genau das fragt die Generation Y: die eigene Firma schadet der Umwelt – why? Unbezahlte Überstunden – why? Ein astronomisch hohes Chefgehalt, aber keine Zeit, es auszugeben – why?

Die Personaler der Generation Golf runzeln ratlos die Stirn. Ihnen sitzen Bewerber gegenüber, die Sinn in der eigenen Arbeit finden wollen und sich über der Nachhaltigkeit des Unternehmens informieren. Sie schlagen Beförderungen aus, weil sie an Macht nicht interessiert sind. Sie wollen lieber ein Firmenfahrrad, statt einen Audi oder BMW.

Generation Y: Arbeitsmoral

Doch wer jetzt denkt, es mangelt der Generation Y an Ehrgeiz, verkennt ihre Qualitäten. Sie sind mit einer Pluralität an Möglichkeiten und Anfordernissen aufgewachsen. Oftmals von den Eltern umsorgt und zu einer selbstbewussten Lebenseinstellung erzogen, haben sie schon früh viel geleistet und unternommen. So erbrachten sie bereits in der Schule überdurchschnittliche Leistungen, übten in ihrer Freizeit verschiedene Sportarten aus und erlernten Instrumente. Sie nahmen mit Spaß und Begeisterung an verschiedenen Schüler- und Stundentenaustauschprogrammen teil. Sie sind bereit, viel zu leisten, fordern aber dafür auch ein und respektieren ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse.

Generation Y: nur die Elite?

Viele Forscher beziehen sich mit ihrem Begriff der Generation Y hauptsächlich auf eine kleine Elite: die gut ausgebildeten Hochschulabsolventen in den begehrten Berufszweigen. Natürlich finden sich am ehesten Akademiker und hoch qualifizierte Arbeitnehmer in den Beschreibungen der Generation Y wider. Allerdings sind es die Werte und Meinungen der Führungskräfte, die die Einstellungen der Mitarbeiter prägen.

Doch auch die Situation der Azubis ändert sich zunehmend. Durch die Bildungsexpansion ist die Zahl der Schulabgänger ohne Abitur von 700.000 auf rund 550.000 geschrumpft. Auszubildende in Branchen mit Bewerbermangel oder in Provinzen können sich schon jetzt Ansprüche leisten. Sie fragen bereits im Bewerbungsgespräch selbstbewusst nach Aufstiegsmöglichkeiten.

Natürlich gibt es auch Arbeitnehmer, die auf der Schattenseite stehen: rund ein Fünftel der Generation Y hat keinen Schulabschluss und somit dementsprechend schlechte Berufsaussichten.

Die Ängste einer Generation

Viele Menschen, die selbst in die Kategorie Generation Y fallen, halten solche Aussagen für allzu optimistisch. Ansprüche? Aufbegehren?

Viele Studenten machen gegenteilige Erfahrungen.

Voller Optimismus und Stolz über das bestandene Abitur an der Universität angekommen, bläuen ihnen schon die Dozenten ein, dass ihre Chancen am Arbeitsmarkt katastrophal seien. Sie sollen sich beeilen. Wer sein Studium heute nicht mehr in der Regelstudienzeit schafft, hat eh schon verloren. An Erasmus-Programmen sollen sie teilnehmen, Auslandserfahrung sei heute ein absolutes Muss. Praktika sollen sie machen, Arbeitgeber nehmen nur Bewerber mit Berufserfahrung. Kurzum: die heutigen Absolventen sind einem massiven Lebenslaufdruck ausgesetzt, dem nicht jeder standhalten kann.

Generationenbegriffe sind immer relational

Es ist schlichtweg nicht realistisch, mit einem Begriff eine ganze Generation zu erfassen und zu charakterisieren. Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Einstellungen gegenüber dem eigenen Leben und ihren gefühlten Lebenschancen zu sehr.

Fazit – die Macht der Demographie

Dennoch haben die nach 1980 Geborenen einen entscheidenden Faktor auf ihrer Seite: die demographische Entwicklung. Sie sind nur wenige und Deutschland ist ein wirtschaftlich florierendes Land, in dem es schon jetzt in manchen Branchen einen Fachkräftemangel gibt. Und wenn die starken Geburtsjahrgänge 1960 bis 1970 erst einmal in Rente gehen, verbessert sich ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt noch einmal deutlich.

Fakt ist: das Normalerwerbsverhältnis stirbt langsam aus. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sank die durchschnittliche Beschäftigungsdauer der unter 30-Jährigen von 814 Tagen in den 80-er Jahren, auf nur noch 536 Tage. Befristete Verträge und berufsbedingte Umzüge sind für viele Arbeitnehmer zur Realität geworden.

Was für die einen Quelle der Angst und Unsicherheit ist, ist für andere Grund zum Selbstbewusstsein: wenn das Unternehmen ihnen keine lebenslange Sicherheit versprechen kann und will, dann gibt es auch für sie keinen Grund, alles zu erdulden und sich für die Firma aufzuopfern.Wenn die Arbeitsbedingungen nicht stimmen, dann ziehen sie halt weiter.

Ob sich die Generation Y wirklich so positiv entwickelt, wie es von manchen Soziologen vorhergesagt wird, bleibt abzuwarten. Doch eins ist sicher: die demographische Entwicklung haben sie auf ihrer Seite.